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Qualitätssicherung, Qualitätsentwicklung, Qualitätsmanagement

Petra Kolip

PDF-Volltext

(letzte Aktualisierung am 27.02.2017)

Aktuelle Version
doi:
10.17623/BZGA:224-i100-1.0


Die Begriffe Qualitätssicherung, Qualitätsentwicklung, Qualitätsmanagement und der allen gemeinsame Begriffsteil Qualität lassen sich kontextübergreifend folgendermaßen charakterisieren:

Qualität bedeutet die Merkmalausprägungen bzw. die Eigenschaften eines Produkts, eines Prozesses, einer Dienstleistung oder einer Einheit (z.B. Einrichtung) bezüglich ihrer Eignung, festgelegte und vorausgesetzte Erfordernisse (Anforderungen, Erwartungen) zu erfüllen.

Qualitätssicherung bedeutet die Sicherstellung eines angestrebten und durch den Einsatz geeigneter Mittel herstellbaren Qualitätsniveaus von Produkten, Prozessen oder Dienstleistungen.
Qualitätsentwicklung bedeutet die Förderung von strukturellen Bedingungen, Prozessen und Konzeptionen, die zur Entwicklung von Qualität notwendig sind. Qualitätsentwicklung impliziert also eine gezielte, schrittweise Entwicklung zu mehr Qualität (kontinuierliche Qualitätsverbesserung).

Qualitätsmanagement umfasst die Gesamtheit aller qualitätsbezogenen Aktivitäten einer Organisation und damit auch einzelne Aktivitäten der Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung. Qualitätsmanagement beinhaltet a) Qualitätspolitik, das Setzen von Zielen, b) das Schaffen struktureller Voraussetzungen zum Erreichen der Ziele, c) zielorientierte Prozesssteuerung, d) die Prüfung des Zielerreichungsgrades, also Qualitätssicherung, und e) datengestützte Informationen über Schwachstellen und Entwicklungspotenziale an die Prozess- und Produktverantwortlichen als Grundlage von Qualitätsentwicklung. Ein umfassendes Qualitätsmanagement erfordert eine institutionelle Verankerung (Qualitätsmanagementsystem) und die Bereitstellung hinreichender Mittel, um diesen Gesamtprozess kontinuierlich durchzuführen.

Qualitätssicherung, Qualitätsentwicklung und Qualitätsmanagement sind im Kontext industrieller Produktion entstanden. Ihr Ziel ist es vor allem, technisch erforderliche (Mindest-)Anforderungen von Produkten sicherzustellen (zu garantieren) bzw. sich durch ständig verbesserte Produkteigenschaften Vorteile im Wettbewerb gegenüber Konkurrenten zu verschaffen.

Qualität in der Prävention und Gesundheitsförderung
Qualitätsziele in der Gesundheitsförderung und Prävention sind die Steigerung der gesundheitsförderlichen Wirkungen von Interventionsmaßnahmen und - als Folge - des gesundheitsbezogenen Nutzens (Effektivität) für die jeweiligen Zielgruppen bei Vermeidung unnötiger Kosten (Effizienz).

Hilfreich ist die Differenzierung von vier Qualitätsdimensionen. Während die Planungsqualität (auch Assessment- oder Konzeptqualität genannt) danach fragt, ob Bedarf und Bedürfnisse ermittelt, wissenschaftliche Grundlagen aufbereitet, Vorerfahrungen aus anderen Projekten einbezogen und Ziele wie Zielgruppen präzise definiert wurden, legt die Strukturqualität das Augenmerk auf die organisatorischen und institutionellen Voraussetzungen - je komplexer das Setting und je vielfältiger die Gruppe der Beteiligten, desto wichtiger ist dieser Aspekt. Prozessqualität bezieht sich auf die Durchführung und Ergebnisqualität bezieht sich auf die Wirkung der Maßnahme.

Ein Rahmenmodell zur Abbildung der kontinuierlichen Verbesserung von Interventionsqualität im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention ist die Spirale der Qualitätsverbesserung (s. Abb. 1), die auf dem Public Health Action Cycle aufbaut.

Abb. 1: Spirale der Qualitätsverbesserung

Abb. 1: Spirale der Qualitätsverbesserung

Sie ist als Lernzyklus zu verstehen. Beginnend mit einer Situationsanalyse, also der Einschätzung der epidemiologischen, medizinischen und sozialen Aspekte eines Gesundheitsproblems, folgt die Diskussion vorhandener und ggf. die Entwicklung neuer Strategien und Maßnahmen der Problemlösung oder -verminderung und die Entscheidung für ein geeignetes Vorgehen in der Planungsphase. Daran schließt die Durchführung der Intervention an. Die Messung und Bewertung von Ergebnissen der Maßnahmen ermöglicht eine Entscheidung über eine ggf. notwendige Anpassung der Strategie bzw. der Maßnahmen, sodass der Zyklus auf einem gesteigerten Qualitätsniveau mit höherem Wirkungsgrad von neuem beginnt.

In der Gesundheitsförderung und Prävention wurde in den letzten Jahren eine Fülle von Instrumenten und Verfahren entwickelt, die Einrichtungen und Organisationen bei Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung unterstützen können. Diese analysieren und bewerten die Leistungsfähigkeit der gesundheitsbezogenen Interventionsaktivitäten (Projekte, Programme, Kampagnen etc.) und geben Hinweise, wie sie verbessert werden können. Sie variieren in ihrem Anspruch und ihrer Reichweite, beziehen sich z.B. auf einzelne Handlungsphasen des Interventionszyklus (wie die Planung und/oder Evaluation) oder zielen darauf ab, den gesamten Prozess zu begleiten und dessen Wirksamkeit zu optimieren.

Darüber hinaus entstanden settingspezifische Verfahren, die die Integration von Gesundheitsförderung in das Handeln von Institutionen (Kindertagesstätten, Schulen, Betriebe, Sportvereine etc.), Stadtteilen oder ganzer Gemeinden anstreben, den Grad und die Güte der Umsetzung prüfen, bewerten und bescheinigen.

Mittlerweile liegen auch einige Überblicksarbeiten und Internetplattformen vor, die die vorhandenen Instrumente und Verfahren gebündelt präsentieren, um Praktikern und Praktikerinnen zu ermöglichen, die für ihre Interessen passenden Unterstützungsangebote zu identifizieren. Im Anhang werden die wichtigsten Übersichten präsentiert.

Anforderungen an Instrumente und Verfahren der Qualitätssicherung/Qualitätsentwicklung. Das Thema Qualität ist in der Gesundheitsförderung und Prävention präsent und hat mit dem Präventionsgesetz neue Aufmerksamkeit erhalten. Es gibt eine Fülle von Instrumenten und Verfahren mit einer Vielzahl bereichsspezifischer Ausdifferenzierungen und Mischformen. Da die Anwendung oft erhebliche Ressourcen erfordert, die im Verhältnis zum entstehenden Nutzen abzuwägen sind, entsteht für potenzielle Anwender ein erheblicher Informationsbedarf: Welche Verfahren wurden von wem, für welche Zwecke (Ziele) konzipiert? Welche wissenschaftliche Grundlage haben sie, und welche Evidenz liegt vor, dass sie konzeptionell in der Lage sind, Stärken und Schwächen präventiver Angebote zu identifizieren und auf dieser Grundlage Empfehlungen für die Verbesserung ihrer Wirksamkeit zu geben? Wie werden sie eingesetzt, seit wann und wie oft? Gibt es Belege, dass ihre Anwendung tatsächlich zur Steigerung der Leistungsfähigkeit von Gesundheitsförderung und Prävention führt? Wie fließen die Kenntnisse über Stärken und Schwächen in die Weiterentwicklung der Verfahren ein? Ist ihr Einsatz wirtschaftlich vertretbar?

Es sind die gleichen Fragen, die im Prozess der Qualitätsverbesserung von Interventionsmaßnahmen gestellt werden, angewendet auf die Verfahren und Instrumente der Qualitätssicherung selbst.

Eine entlang der Antworten auf diese Fragen hergestellte Transparenz der Leistungsfähigkeit von Qualitätsverbesserungsverfahren kann Auskunft darüber geben, wie gerechtfertigt sie zukünftig angewendet werden können.  

Die Autorin dankt Jürgen Töppich und Susanne Linden, die die vorherige Version des Artikels erstellt haben.

Anhang: Internetseiten und Publikationen mit Überblicken über Verfahren und Instrumente der Qualitätsentwicklung


Literatur: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hg.), Qualitätsmanagement in Gesundheitsförderung und Prävention, in: Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung, Band 15, Köln 2001;
Kliche T/Elsholz A/Weitkamp K/Töppich J/Koch U, Anforderungen an Qualitätssicherungsverfahren für Prävention und Gesundheitsförderung, in: Prävention und Gesundheitsförderung 2009, 4, 251-258;
Kolip P/Ackermann G/Studer H/Ruckstuhl B (2012), Gesundheitsförderung mit System: quint.essenz - Qualitätsentwicklung in Projekten der Gesundheitsförderung und Prävention, Bern, Hans Huber;
Kolip P/Müller VE (Hg.), Qualität von Gesundheitsförderung und Prävention, Verlag Hans Huber, Bern 2009;
Loss J et al, Qualitätsmanagement in der Gesundheitsförderung. Entwicklung eines multidimensionalen Qualitätssicherungsinstruments für eine landesweite Gesundheitsinitiative, in: Prävention und Gesundheitsförderung 4, 2007, 199-206;
Ruckstuhl B, Ein Gesamtrahmen für die Qualitätsentwicklung in Gesundheitsförderung und Prävention, in: Kolip P/Müller VE (Hg.), Qualität von Gesundheitsförderung und Prävention, Verlag Hans Huber, Bern 2009, 75-95;
Sens B/Fischer B/Bastek A/Eckardt J/Kaczmarek D/Paschen U/Pietsch B/Rath S/Ruprecht T/Thomeczek C/Veit C/Wenzlaff P, Begriffe und Konzepte des Qualitätsmanagements, 3. Aufl., GMS Med Inform Biom Epidemiol. 2007.
Download unter
http://www.egms.de/en/journals/mibe/2007-3/mibe000053.shtml;
Tempel N/Bödeker M/Reker N/Schaefer I/Klärs G/Kolip P (2013), Qualitätssicherung von Projekten zur Gesundheitsförderung in Settings. Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Verweise: Public Health Action Cycle / Gesundheitspolitischer Aktionszyklus


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