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Lern- und verhaltenspsychologische Perspektive

Peter Franzkowiak

PDF-Volltext

(letzte Aktualisierung am 13.06.2018)

Aktuelle Version
doi:
10.17623/BZGA:224-i074-1.0


Aus Sicht der psychologischen Lern- und Verhaltenstheorien sind für die Entstehung, Aufrechterhaltung und Therapie von Problem- und Risikoverhalten sowie eines erheblichen Teiles von psychischen und psychosomatischen Gesundheitsstörungen primär Mechanismen des Lernens verantwortlich. Problematisches oder unerwünschtes Verhalten wird erlernt und kann daher auch wieder verlernt, d.h., durch die Verwendung von Verhaltens- und Lernprinzipien verändert werden. In dieser Perspektive wird auch versucht, zukünftiges Handeln von Menschen auf der Grundlage des vergangenen, empirisch beobachtbaren und/oder reflexiv bewussten Verhaltens, seinen Vorläufern und seinen Konsequenzen vorherzusagen.

Definition und Klassifikation: Lernen ist eine auf Erfahrung beruhende, relativ dauerhafte Veränderung im Verhalten oder im Verhaltenspotenzial. Neuere Lerntheorien gehen davon aus, dass Lernen ein Prozess auf mehreren Ebenen ist und immer vor dem Hintergrund biologischer, genetischer und evolutionärer Bedingungen erfolgt. Lernen ist zwar selbst nicht direkt beobachtbar, beobachtbar sind jedoch Verhaltensweisen (Reaktionen) eines Organismus, die sich im Laufe der Zeit verändern und somit auf Prozesse des Lernens zurückgeführt werden.

Den Erklärungen der Auslösung und des Erwerbs von Verhalten, der Verhaltensmodifikation und -therapie liegen vier wissenschaftliche Modellvorstellungen zugrunde (Abb. 1).

Stimuluslernen bzw. Assoziationslernen

  • Klassische Konditionierung (Reiz-Reaktions-Lernen)
  • Signallernen

Lernen über Konsequenzen bzw. operantes Lernen

  • Instrumentelle Konditionierung
  • Verstärkungslernen
  • Lernen am Erfolg
  • psychophysiologisches Biofeedback

Beobachtungslernen bzw. Diskriminationslernen

  • Lernen durch Nachahmung / Imitation
  • soziales Lernen an Verhaltensvorbildern
  • Verstehen von Handlungen und Übernahme von Zielen durch Modelllernen

Kognitives Lernen

  • Informationsaufnahme und -verarbeitung, Aufbau von Wissensstrukturen;
  • Aufbau und Modifikation mentaler Modelle (umfassende Repräsentationen - sprachlich, bildhaft, handlungsbezogen - von Ausschnitten der Realität);
  • Bildung von Regeln, Handlungsplänen, Oberplänen und Schemata
  • Problemlösungslernen
  • Lernen durch Selbststeuerung über positive/negative Selbstinstruktionen
  • Prozesse der Erwartung und Kontrollüberzeugung
  • kognitive Blockierung von Veränderungsprozessen durch irrationale Ideen oder Glaubenssätze
Abb. 1: Vier Basismodelle der lern- und verhaltenstheoretischen Perspektive im Überblick (eigene Darstellung)

Lern- und verhaltenstheoretisch begründete Maßnahmen in der Prävention und Therapie gehen davon aus, dass das menschliche Erleben, Handeln und Interagieren (d.h. soziale Kommunikation und sozialer Austausch) veränderbar sind. Risikobereitschaften, Störungen und Krankheitsprozesse entstehen auf Grundlage von Vulnerabilitäten und Stress - durch fehllaufende Lernvorgänge, Attributionsmuster (gedankliche Zuschreibungen) und Einstellungsbildungen. Sie können unter bestimmten Bedingungen zumindest teilweise verlernt oder durch neu aufgebautes Verhalten modifiziert werden. Die Abweichungen, Störungen oder Krankheiten dürfen aber nicht primär auf genetischen Prägungen, neurophysiologischen Vorschädigungen oder Fehlfunktionen von biochemischen Systemen beruhen.

Die Prinzipien, mit deren Hilfe menschliches Verhalten beschrieben und verändert wird, gelten als universell. Das methodologische Grundverständnis ist geprägt durch fünf Axiome: Suche nach Gesetzmäßigkeiten, Beobachtbarkeit, Operationalisierbarkeit, empirische Testbarkeit und experimentelle Prüfung.

Nicht nur unerwünschtes, abweichendes oder pathologisches Verhalten, sondern ebenso die Entstehung und Aufrechterhaltung erwünschten, angepassten oder „normalen“ Verhaltens können durch dieselben Gesetze des Lernens beschrieben und erklärt werden. Die Verhaltensebene ist der wichtigste Zugang zur Beschreibung einer beabsichtigten Veränderung und zentrales Kriterium für die Veränderung selbst sowie für ihre Wirksamkeit und Überprüfung.

Umsetzung - Techniken und Methoden: Unerwünschte oder selbstschädigende Muster der Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung, des Denkens, des Verhaltens und Problemlösens sowie der zwischenmenschlichen Interaktionen können eingeschränkt, gelöscht oder mit alternativen Verhaltens- und Denkmustern ersetzt werden. Dies geschieht insbesondere durch gegenläufiges Bewerten, Lernen und Üben. Techniken und Methoden werden eingesetzt, die therapeutisch erprobt sind und oftmals seit Jahrzehnten in der Gesundheitserziehung angewandt werden - nicht nur als spezifische Einzelmethoden, sondern auch kombiniert im Rahmen multimodaler Ansätze. Eine Auswahl der geläufigsten Verfahren mit Bezug zur Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung ist in Abb. 2 zusammengestellt.

Verhaltensaufbau

Aufbau und Verknüpfung von (neuen) Verhaltenselementen und -ketten durch Verstärkerkontrolle: z.B. Aufbau von Alternativverhalten hinsichtlich veränderter Ernährungsweise, regelmäßiger körperlicher Bewegung, maßvollem Konsum von bzw. Abstinenz gegenüber Rausch- und Suchtmitteln sowie soziales Kompetenztraining, Psychoedukation, Patientenschulung

Stimuluskontrolle

Konfrontations- und Expositionsverfahren zur Bewältigung und Modifikation von problematischem Essverhalten, Schlafproblemen, Angst- und Panikstörungen: u.a. Habituationstraining, Reaktionsverhinderung und Verhaltensunterbrechung, Konfrontationsverfahren, systematische Desensibilisierung, Neurofeedback

Gedankliche (kognitive), emotionale, verhaltensmäßige und körperzentrierte Neutralisierung von selbstschädigenden Einstellungs- und Verhaltensmustern

Modifikation dysfunktionaler Kognitionen, Reattribution, Analyse fehlerhafter Logik, Entkatastrophisieren: u.a. bei negativem Gesundheitsverhalten oder bei Störungen der seelischen Gesundheit mit Risiko- bzw. Krankheitswert wie Zwangsstörungen, Angststörungen, somatoformen und depressiven Störungen; auch: „embodied cognition“

Gedankliche und gefühlsmäßige Neubewertung von auslösenden Situationen bzw. verstärkenden Bedingungen

Kognitive Umstrukturierung von subjektiven Risiko- und Krankheitsmodellen, Belastungs-Bewältigungs-Management durch „Stressimpfung“, Selbstmanagement, Problemlösetraining, Schemata-Analyse und -veränderung, Schmerzmanagement, Entspannungsverfahren: u.a. bei Angst und Depression als Begleiterscheinungen von körperlichen Erkrankungen

Modelllernen

Ermöglichung und Erleichterung von Verhaltensänderungen, die sich an positiven Vorbildern orientieren: z.B. an Gesundheits- und Kompetenzvorbildern im Kindes- und Jugendalter; kognitives Modellieren von z.B. Bewältigungskompetenzen in Settings der Psychoedukation und Psychotherapie

Selbstbeobachtung, Selbstverstärkung und Selbstinstruktion

Strategien der Selbstkontrolle, des Problemlösens und der kognitiven Umstrukturierung: z.B. in Bewegungs- und Ernährungstrainings, in der Modifikation von problematischem Ess- und Trinkverhalten; achtsamkeitsbasierte Verfahren der Stressreduktion und Belastungsbewältigung, Akzeptanz- und Commitment-Therapie

Verhaltenskontrakte

Kontingenzverträge zu genau spezifizierten Verände­rungen von Risikoverhalten: z.B. bei Suchtgefährdung oder Reduktion von Übergewicht und zur Verstärkung von Alternativverhalten

Abb. 2: Lern- und verhaltenspsychologisch begründete Interventionstechniken mit Anwendungsbeispielen für Psychotherapie und Krankheitsprävention (eigene Darstellung)

Die verhaltenspsychologische Perspektive betont die Bedeutung situativer Faktoren. Interventionen müssen die natürliche und systemische Umgebung als Faktor der Veränderung mit einbeziehen (z.B. Einbezug von Familienmitgliedern, Inklusion oder gezielte Exklusion von Peergruppen, Miteinwirken auf Verhältnisse am Arbeitsplatz). Veränderungen und Unterstützung durch Personen der natürlichen Umgebung bzw. Selbsthilfe haben in der verhaltensmedizinischen / gesundheitspsychologischen Prävention und Patientenedukation sowie in der Verhaltenstherapie einen hohen Stellenwert.

Wichtigste Ziele von lern- und verhaltenspsychologisch begründeten Maßnahmen sind:

  • Rückbildung selbstschädigender, pathologischer Gewohnheiten durch eine Schwächung neuronaler Vernetzungen,
  • Ausformung fehlender, verschütteter oder neuer/alternativer Handlungsmuster,
  • Erwerb oder Wiederherstellung von Verhaltens- und Erlebenskompetenzen,
  • verbesserte, nicht schädliche Selbst- und Umweltkontrolle,
  • konstruktive, bewältigungsorientierte Veränderung der Selbstsicht.

Bei präventiven und therapeutischen Interventionen werden sowohl die Diagnose als auch die Planung einzelner Veränderungsschritte spezifisch für die einzelnen Betroffenen bzw. eine abgegrenzte Gruppe entwickelt. Am Anfang steht eine Mehrebenen-Problem- und Verhaltensanalyse: die differenzierte Diagnose der Dispositionen und Auslöser, der organismischen und der Umweltbedingungen sowie der Konsequenzen eines möglichst genau umschreibbaren problematischen Verhaltens oder schädlicher Wahrnehmungs- und Einstellungsmuster, Pläne und Schemata einer Person. Innerhalb der kognitiv-behavioralen Edukation und Therapie gibt es vier anerkannte Modelle für eine solche Strukturierung diagnostischer Informationen: die S-O-R-K-C-Verhaltensgleichung, den Problemanalyse-Ansatz, den Plananalyse- und Schema-Ansatz sowie den Selbstmanagement-Ansatz. Die Ergebnisse werden zu einem funktionalen Bedingungsmodell zusammengefügt, das die Intervention anleitet, aber jederzeit überprüft und verändert werden kann.

Entwicklung und Ausblick: Frühere, behavioristische Lerntheorien bildeten das beobachtbare Verhalten von Menschen und seine Auslöser- oder Verstärkungsbedingungen in eher linearen Modellen ab. Die neueren, „post-behavioristischen“ Vorstellungen betonen Komplexität, Vernetzung und Selbstregulation. Heute werden die übergeordneten Pläne, Lebensthemen und Ziele der Betroffenen beachtet (Lebensweise/Lebensstil) und die systemischen Bedingungen bei der Verhaltensänderung mit berücksichtigt. Das Menschenbild geht nunmehr von aktiv handelnden, denkenden und fühlenden Menschen aus. Diese sind zur Selbstveränderung und Selbststeuerung fähig oder sollen dazu befähigt werden (Lebenskompetenzen und Kompetenzförderung.

Bis in die Mitte der 1970er Jahre wurden verhaltenstheoretische Prinzipien fast ausschließlich auf die Behandlung psychischer Störungen angewandt. Die verhaltenstheoretische Diagnostik und Therapie erweist sich aber auch als effektiv bei somatischen Störungen und psychosomatischen Erkrankungen, insbesondere bei chronischen Verläufen. Die neuere Gesundheitspsychologie und die Verhaltensmedizin konzentrieren sich insbesondere auf:

  • verbesserte Krankheitsbewältigung chronischer Gesundheitsstörungen (darunter auch die Reduktion von begleitenden Ängsten, irrationalen Kognitionen oder depressiven Gestimmtheiten);
  • Patientencompliance, Health Literacy/Wissensbasierte Gesundheitskompetenz (durch Psychoedukation);
  • Aufbau von nachhaltig positivem Gesundheitsverhalten.

In der Psychosomatik ist das verhaltenstheoretische Krankheits- und Veränderungsmodell mittlerweile gleichrangig zur früher dominierenden Psychoanalyse. Einzelne Modellaspekte fließen in die Modellbildungen zu Stress und Stressbewältigung, in die Soziale Lerntheorie und die interdisziplinären Gesundheitswissenschaften ein.

Die Ausprägung der lern- und verhaltenstheoretischen Perspektive in der Allgemeinen und Klinischen Psychologie wird historisch in zwei Phasen bzw. „Wellen“ (und damit lange Zeit auch getrennte Schulen) unterschieden: die klassische, zeitlich frühere „behaviorale“ Phase, auf die in den 1970er Jahren die „kognitive Wende“ folgte. Therapeutisch liegt der Schwerpunkt in der ersten Welle auf Verhaltenstraining auf der Grundlage experimentell abgesicherter Prinzipien des Lernens und Verlernens. In der zweiten Welle stehen kognitive und soziale Problemlöse- und Lernprozesse im Zentrum.

Einige Protagonist*innen und Praktiker*innen der Verhaltenstherapie propagieren seit Mitte der 2000er Jahre den Übergang in eine „dritte Welle“ - mit neuer Schwerpunktsetzung auf Akzeptanz, Achtsamkeit, Prozessbasierung und Arbeit an ungünstigen Beziehungsmustern, u.a. über die „Schematherapie“ mit ihrer expliziten Anknüpfung an einen neurobiologischen Kognitionsbegriff. Darüber informieren exemplarisch Heidenreich/Michalak 2013, Hayes/Hofmann 2017. Zu beachten sind hierzu auch die gleichfalls jüngeren Ansätze einer neuropsychologisch grundierten körperpsychotheraputischen Ausrichtung um das Konzept des „Embodiment“, eines „körperlichen Selbst“ (s. Storch et al, Fuchs et al.). Die Embodiment-Perspektive fordert, kognitive und weitere psychische Prozesse ausdrücklich mit Bezug auf den Körper zu sehen und zu untersuchen. Alle geistig-seelischen Vorgänge und Entwicklungen seien leiblich eingebettet, würden in den ge- und erlebten Körper eingeschrieben, und dieser beeinflusse, u.U. steuere, seelische Prozesse (s. das Leib-Seele-Problem von Philosophie und Psychologie, Psychosomatische Perspektiven).

Integrierte kognitiv-behaviorale Perspektive: Die tradierte Paradigmen- und Schulentrennung ist nach heutigem wissenschaftlichen Stand nicht länger aufrechtzuerhalten. Das mittlerweile erfolgte Zusammenwachsen kognitiver und behavioraler Ansätze hat dazu geführt, dass im akademischen Mainstream der Klinischen Psychologie von einer integrierten kognitiv-behavioralen Perspektive (Wittchen und Hoyer) gesprochen wird.

Der integrierte Ansatz geht deutlich über die Beschreibung und Erklärung von Verhalten im objektiven Kontext von Reizen, Verstärkern und offenem Verhalten hinaus. Psychische Störungen werden nicht mehr primär als behaviorale Fehlanpassungen beschrieben. Sie können auch als Ergebnis einer fehlerhaften Wahrnehmung der Situationswirklichkeit, fehlerhafter Schlussfolgerungen oder inadäquater Problemlösungen gedeutet werden. Die Selbstwahrnehmung von Menschen und die Wahrnehmung und Bewertung ihrer Beziehungen und ihrer Umwelt sind also (mit-)steuernd für alle Prozesse der Verhaltensleitung, einschließlich der Vorgänge bei Fehlleitung und Störungsentstehung. Kognitive Faktoren von zentraler Bedeutung sind: die wahrgenommene Kontrolle über Verstärker (Empowerment, Salutogenetische Perspektive), die persönlichen Überzeugungen, kritische Situationen bewältigen zu können sowie die individuelle Interpretation von situativen oder persönlichen Einflussfaktoren.

Die kognitiv-behaviorale Perspektive ist Grundlage von verhaltenspräventiven Maßnahmen in der Gesundheitserziehung, in Verhaltensmedizin und Gesundheitspsychologie, in der Patientenberatung und Patientenschulung. In diesem engeren Kontext hat sie ihre Effizienz und ihre Effektivität unter Beweis gestellt, z.B. bei Raucherentwöhnungstrainings, Ernährungsschulungen und Gewichtsreduktion, Koronar- und Diabetestrainings, in der Schmerzbewältigung, beim Erlernen von Entspannungstechniken, bei Motivationsaufbau, Kompetenzverbesserung und Verbesserung der Behandlungscompliance bzw. -adhärenz in der Therapie und Rehabilitation chronischer körperlicher und psychosomatischer Erkrankungen u. v. a. m. Methodisch bedeutsam und modellhaft übertragbar sind die funktionalen Bedingungsanalysen, die jeder Intervention vorausgehen müssen. Mit diesem Instrument steht auch für die Gesundheitsförderung eine Analyse- und Veränderungsmethode zur Verfügung, die die Wechselwirkung von Organismus-, Verhaltens- und Umweltbedingungen empirisch nachprüfbar abbildet. Sie ermöglicht zudem, Veränderungen präzise zu dokumentieren und zu überprüfen (Evaluation).

Inwieweit die rapiden Fortschritte in den Neurosciences (Hirnforschung/Neuroimaging, Neurophysiologie, Psychobiologie) direkte Auswirkungen auf die Lern- und Verhaltenstheorien und ihre edukativen, präventiven und therapeutischen Ableitungen haben werden, bleibt kritisch abzuwarten. Lernen wird in diesem Kontext begriffen als erfahrungsabhängige Veränderung des Gehirns (v.a. der kortikalen Erregbarkeit und Aktivität), die zu einer Veränderung im Verhalten und/oder in Verhaltensdispositionen führt. Neurophysiologisch beruhen Prozesse des Lernen und Verlernens, der Gedächtnisbildung und des Vergessens auf der grundlegenden und prinzipiell lebenslangen Neuroplastizität des Gehirns. Sie führen zu funktionellen oder strukturellen Veränderungen von einzelnen synaptischen Bahnungen und Verbindungen oder der Größe, Konnektivität, Aktivierung und Effizienz kortikaler Netzwerke. Als erste Anwendungsmöglichkeiten - etwa durch gezielte elektrische, magnetische oder pharmakologische Stimulation der Aktivitätsmuster in verschiedenen Hirnregionen - werden v.a. medizinische Interventionen in der Klinik, Therapie und v.a. Rehabilitation von Hirnverletzungen diskutiert, aber auch die tertiäre Prävention bei Demenzen und anderen lebensbegleitenden hirnorganischen Abbauprozessen.

Literatur: Bear MF et al, Neurowissenschaften, Berlin Heidelberg 2018, 4., aktual. Neuaufl.;
Ehlert A (Hg.), Verhaltensmedizin, Berlin Heidelberg 2016, 2., vollst. überarb. u. aktual. Aufl.;
Fliegel S et al, Verhaltenstherapeutische Standardmethoden, Weinheim 1998, 4. Aufl.;
Fuchs T/Sattel H/Henningsen P (eds), The Embodied Self - Dimensions, Coherence and Disorders. Stuttgart 2010;
Gerrig RJ/Zimbardo PG, Psychologie, München 2016, 20. akt. u. erw. Aufl.;
Hoffmann J/Engelkamp J, Lern- und Gedächtnispsychologie, Berlin Heidelberg 2017, 2. überarb. Aufl.;
Hayes SG/ Hofmann SC, The third wave of cognitive behavioral therapy and the rise of process-based care. In: World Psychiatry 3, 2017 (16), 245-246 (DOI:10.1002/wps.20442);
Heidenreich T/Michalak J (Hg.), Die „dritte Welle“ in der Verhaltenstherapie: Grundlagen und Praxis, Weinheim 2013;
Knoll N/Scholz U/Rieckmann N, Einführung Gesundheitspsychologie, München Basel 2011;
Kriz J, Grundkonzepte der Psychotherapie, Weinheim 2014, 7. Aufl.;
Köllner V, Grundlagen, in: Köllner V/Broda M (Hg.), Praktische Verhaltensmedizin. Stuttgart 2005, 3-16;
Linden M/Hautzinger M, Verhaltenstherapiemanual, Heidelberg 2015, 8. vollst. überarb. Aufl.;
Margraf J/Schneider S (Hg.), Lehrbuch der Verhaltenstherapie, Band 1: Grundlagen, Diagnostik, Verfahren und Rahmenbedingungen psychologischer Therapie, Berlin Heidelberg 2018, 4. Aufl.;
Reinecker H, Grundlagen der Verhaltenstherapie, Weinheim 2005, 3. Aufl.;
Storch M/Cantieni B/Hüther G/Tschacher W, Embodiment - Die Wechselwirkung von Körper und Psyche. Göttingen 2017, 3. Aufl.;
Wittchen HU/Hoyer J (Hg.), Klinische Psychologie & Psychotherapie, Berlin 2011, 2. Aufl.

Internetadressen:
www.apa.org (American Psychological Association)
www.abct.org (Association for Behavioral and Cognitive Therapies)
www.dgvt.de (Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie e.V.)

Verweise: Empowerment/Befähigung, Evaluation, Gesundheitliche Aufklärung und Gesundheitserziehung, Gesundheitswissenschaften / Public Health, Health Literacy / Gesundheitskompetenz, Lebenskompetenzen und Kompetenzförderung, Lebensweisen / Lebensstile, Psychosomatische Perspektive, Salutogenetische Perspektive, Selbsthilfe, Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeförderung, Stress und Stressbewältigung


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