Wir setzen auf dieser Website Cookies ein. Diese dienen dazu, Ihnen Servicefunktionen anbieten zu können sowie zu Statistik- und Analysezwecken (Web-Tracking). Weitere Informationen dazu und die Widerspruchsmöglichkeit zum Web-Tracking finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Alphabetisches Verzeichnis

Foto eines Leuchtturms als Symbol für Orientierung

Seiteninhalt

Gesundheitsberichterstattung

Thomas Ziese, Alf Trojan

PDF-Volltext

(letzte Aktualisierung am 22.06.2015)

Aktuelle Version
doi:
10.17623/BZGA:224-i028-1.0


Gesundheitsberichterstattung (GBE) informiert maßnahmenorientiert über gesundheitsrelevante Themen und liefert so wissenschaftlich fundierte Informationen als Grundlagen für gesundheitspolitische Diskussionen und Entscheidungen. Das Themenspektrum der GBE umfasst dabei alle wichtigen Bereiche der Gesundheit (vgl. Abb. 1).

Die Politik ist ein wichtiger Adressat der Gesundheitsberichterstattung. Aber ebenso richtet sie sich an die Studierenden und Lehrenden der Public-Health-Wissenschaften, die Medien, den Öffentlichen Gesundheitsdienst, Akteure der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen, Selbsthilfeverbände und weitere Vertreter einer breiten Fachöffentlichkeit, die Informationen zur Gesundheit professionell nutzen. Im Hinblick auf die zunehmende Bürger- und Patientenorientierung im Gesundheitswesen sind auch Bürgerinnen und Bürger eine wichtige Adressatengruppe, die die Gesundheitsberichterstattung als nicht von Partikularinteressen geleitete Informationsquelle nutzen. Das hohe Interesse und die unterschiedlichen Nutzergruppen der GBE werden auch an der zunehmenden Verbreitung der Gesundheitsberichte deutlich, so beträgt beispielsweise die Gesamtauflage der Gesundheitsberichte auf Bundesebene über 1 Million Exemplare. Die GBE bildet damit einen wichtigen Baustein im gesundheitspolitischen Diskurs und will durch verständlich aufbereitete und fokussierte Informationen und Analysen die Diskussion zwischen den verschiedenen Akteuren und Nutzern des Gesundheitswesens unterstützen.

Themenbereich

Beispiele

Gesundheitliche Lage

  • Lebenserwartung
  • Krankheiten
  • Gesundheit ausgewählter Bevölkerungsgruppen (z.B Kinder, höheres Lebensalter, Menschen mit Migrationshintergrund)
  • Krankheitsfolgen
  • Demografischer Wandel

Determinanten der Gesundheit

  • Gesundheitsbeeinflussende Lebensweisen
  • Soziale Determinanten
  • Umwelteinflüsse

Gesundheitsversorgung

  • Ambulante und stationäre Versorgung
  • Pflege
  • Gesundheitsausgaben
  • Krankheitskosten

Prävention und Gesundheitsförderung

  • Impfungen, Verhaltensprävention, Verhältnisprävention, Selbsthilfe, Settings
Abb. 1: Themenspektrum der GBE (eigene Darstellung)

Bei den Gesundheitsberichten haben sich unterschiedliche Formate entwickelt: Zum einen die in mehrjährigem Abstand erscheinenden umfassenden Gesundheitsberichte, die das ganze Spektrum der Gesundheit und der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung beschreiben. Sie geben einen Gesamtüberblick über die aktuelle Gesundheitssituation sowie deren Entwicklung. Neben diesen umfassenden Berichten gibt es thematisch ausgerichtete Berichte, die in knapper oder ausführlicher Form ein spezifisches Gesundheitsthema oder die Gesundheit einer bestimmten Bevölkerungsgruppe wie beispielsweise Kinder oder Menschen mit Migrationshintergrund analysieren und beschreiben. Weiter haben sich auch sehr knappe Formate in Form von Faktenblättern etabliert, in denen auf wenigen Seiten aktuelle Daten mit einer kurzen Einordnung und Bewertung veröffentlicht werden.
Ergänzt werden die Gesundheitsberichte durch Daten zur Gesundheit im Internet. Das umfassendste Angebot stellt dabei das Informationssystem der Bundes-GBE (IS-GBE) dar. Es handelt dabei sich um eine Onlinedatenbank, die unter www.gbe-bund.de Informationen zu allen Themenfeldern der GBE bereitstellt. In der vom Statistischen Bundesamt gepflegten Datenbank werden Informationen aus mehr als 100 verschiedenen Datenquellen, darunter amtliche Statistiken, Verwaltungs- und Registerdaten sowie Surveys, systematisch zusammengeführt. Die Informationen liegen in Form von zum Teil individuell gestaltbaren Tabellen, Grafiken und Texten sowie Dokumentationen zu den Datenquellen und Erhebungsmethoden vor.

Gesundheitsberichterstattung wird in Deutschland auf mehreren Ebenen durchgeführt: in den Kommunen (z.T. auch Stadtteilen oder Quartieren), in den Ländern sowie auf der Bundesebene. Tendenziell gilt dabei, dass die Datensituation für großräumige Analysen besser ausgestaltet ist als für kleinräumige. Dies gilt insbesondere für den Themenbereich des Gesundheitsverhaltens und für verknüpfbare Daten, beispielsweise für eine gemeinsame Betrachtung von sozialer Lage und Gesundheit.

Auf der kommunalen Ebene werden Gesundheitsberichte überwiegend von den Gesundheitsämtern erstellt. Neben den Basisberichten werden Schwerpunktberichte erstellt. Häufige Themen sind dabei Kinder- und Jugendliche, Drogen und Sucht sowie Impfungen, d.h. Themen, die sich direkt aus den Arbeitsschwerpunkten der Gesundheitsämter ableiten.

Die Gesundheitsberichterstattung der Länder ist als Aufgabe in den Ländergesetzen zum Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) definiert und orientiert sich an einem gemeinsamen Indikatorensatz (Gesundheitsindikatoren), der vergleichende Betrachtungen zwischen den Ländern erlaubt. Auf der Bundesebene wird die GBE arbeitsteilig durch das Robert Koch-Institut und das Statistische Bundesamt durchgeführt. Daneben existiert in Deutschland ein differenziertes nichtstaatliches Berichtswesen wie beispielsweise im Bereich der Sozialversicherungsträger oder der betrieblichen Gesundheitsförderung.

Auf der internationalen Ebene sind die Gesundheitsberichterstattungssysteme der WHO und der OECD, die ihren Schwerpunkt im Bereich der Gesundheitssystemberichterstattung hat, seit mehreren Jahren fest etabliert. Daneben wird zurzeit auf der EU-Ebene mit erheblichen Ressourcen eine Gesundheitsberichterstattung aufgebaut, die neben verschiedenen Berichten auch einheitliche EU-weite Datengrundlagen beinhaltet. Durch die derzeit laufende Implementierung eines EU-weiten Gesundheitssurveys (European Health Interview Survey- EHIS) stehen auch auf der europäischen Ebene valide Gesundheitsdaten zur Verfügung.

Neben der Bereitstellung von Gesundheitsberichten und Informationssystemen übernimmt die GBE wichtige Aufgaben bei der Unterstützung (gesundheits-)politischer Maßnahmen und Programme. So spielen die Informationen der Gesundheitsberichterstattung eine wichtige Rolle bei den Gesundheitszieleprozessen oder anderen Aktionsprogrammen wie beispielsweise bei der Förderung von Gesundheit im Kinder- und Jugendalter. Die Beteiligung der GBE an solchen Programmen hat dabei zwei Schwerpunkte: Zum einen trägt die GBE dazu bei, Programmziele und Maßnahmen zu deren Umsetzung zu identifizieren, zum anderen wirkt sie mit an der Evaluation, die der Kontrolle von Zielerreichung und Wirksamkeit der Maßnahmen dient (Public Health Action Cycle).

Neben der Einbindung in Aktivitäten der Gesundheitspolitik liefert die GBE auch Beiträge zu Berichterstattungssystemen anderer Politikfelder. Hier ist neben Beiträgen zur Kinder- und Jugend-, Familien-, Ernährungs- und Umweltberichterstattung insbesondere die zunehmende Verknüpfung mit der Sozialberichterstattung auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene zu nennen. Der Idealfall einer integrierten (gesundheitsbezogenen) Berichterstattung hat zwar gerade im Bereich der als intersektorale Politik verstandenen Gesundheitsförderung viele Befürworterinnen und Befürworter, stößt bei der Umsetzung auf kommunaler Ebene jedoch auf vielfältige Probleme.

Der weitere Ausbau der unterschiedlichen Bereiche der Gesundheitsberichterstattung hängt von der Entwicklung ihrer Datengrundlagen ab. Auf der Bundesebene steht das vom Robert Koch-Institut durchgeführte Gesundheitsmonitoring zur Verfügung (s. Abb. 2), das als Kombination aus Befragungs- und Untersuchungssurveys angelegt ist.

Komponenten des Gesundheitsmonitorings des Robert Koch-Instituts

DEGS - Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland

  • Längs- und Querschnitt mit Interview- und Untersuchungsteil bei Erwachsenen ab 18 Jahren
  • Ca. 7500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer
  • Basiserhebung: Bundesgesundheitssurvey 1998

GEDA - Gesundheit in Deutschland aktuell

  • Querschnittstudie bei Erwachsenen ab 18 Jahren
  • Ca. 20.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer
  • Basiserhebung: Telefonische Gesundheitssurveys 2003-2006
  • Jährliche Wiederholung

KiGGS - Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland

  • Längs- und Querschnitt mit Interview- und Untersuchungsteil bei Kindern von 0-17 Jahren (und Eltern)
  • Ca. 8000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer
  • Basiserhebung: KiGGS 2003-2006
Abb. 2: Das Gesundheitsmonitoring des Robert Koch-Instituts (Quelle: Kurth et al 2009)

Das Gesundheitsmonitoring ergänzt vorhandene Informationen anderer Datenhalter (z.B. amtliche Statistik, Sozialversicherung) um dort nicht erfasste Informationen, z.B. zur subjektiven Gesundheit, zu gesundheitsrelevanten Untersuchungsparametern, zur sozialen Situation oder zum Gesundheitsverhalten. Das Gesundheitsmonitoring des Robert Koch-Instituts fasst die bisher nebeneinander stehenden, unregelmäßigen Gesundheitssurveys zu einem aufeinander abgestimmten System zusammen, das eine kontinuierliche Beobachtung von Veränderungen im Gesundheitsstatus und seinen Determinanten mit Längsschnitt- und Querschnittkomponenten ermöglicht. Das Gesundheitsmonitoring ist dabei so angelegt, dass auch regionale Vergleiche innerhalb Deutschlands möglich sind.

Wichtige Fragen, die als Herausforderungen gleichermaßen für Praxis, Politik und Forschung zu betrachten sind, betreffen die Umsetzung von Daten in praktisches und politisches Handeln:

  • Würde eine stärkere Beteiligung von Fachleuten und Laien, Bürgerinnen und Bürgern in der Entstehungsphase der Berichte mehr Engagement und Aktivitäten bei der Umsetzung der Berichte schaffen?
  • Sind die gewählten Berichtsbereiche und Indikatoren genügend handlungsorientiert?
  • Wie kann man eine größere öffentliche Debatte der Gesundheitsberichte erreichen?
  • Welches sind die geeigneten Referenzgremien, um Gesundheitsberichte wirksam werden zu lassen?
  • Haben wir uns genügend um Nutzeranalysen und eine Qualitäts- bzw. Effektivitätskontrolle der bisher entwickelten Gesundheitsberichte gekümmert?

Literatur: Böhm A, Bürgernahe Gesundheitsberichterstattung, in: Kuhn J/Böcken J (Hg.), Verwaltete Gesundheit, Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main 2009, S 171-181
Lampert T/Horch K/List S et al, GBE kompakt, in: Robert Koch-Institut (Hg.), Gesundheitsberichterstattung - GBE kompakt, Ausgabe 01/2010, Berlin 2010
Kuhn J/Böcken J (Hg.), Verwaltete Gesundheit - Konzepte der Gesundheitsberichterstattung in der Diskussion. Beiträge zur politischen Relevanz der Gesundheitsberichterstattung, Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main 2009
Kurth BM/Lange C/Kamtsiuris P/Hölling H, Gesundheitsmonitoring am Robert Koch-Institut - Sachstand und Perspektiven, in: Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz Vol. 52 (5), Springer Verlag, Berlin, Heidelberg 2009, S. 557-570
Reintjes R/Klein S (Hg.), Gesundheitsberichterstattung und Surveillance - Messen, Entscheiden und Handeln, Verlag Hans Huber, Bern 2007
Süß W/Schaefer J/Trojan A (Hg.), Integrierte (Gesundheits-)Berichte. Konzeptionelle Überlegungen und Umsetzungserfahrungen, Shaker Verlag, Aachen 2007
Szagun, B, Kommunale Gesundheitsberichterstattung als Grundlage für die Gesundheitsförderung, in: Kuhn, J, Heyne, M (Hg.), Gesundheitsförderung durch den öffentlichen Gesundheitsdienst. Bern 2015, S.125 - 134

Internetadressen:
http://ec.europa.eu/eurostat/de/web/microdata/european-health-interview-survey (European Health Interview Survey - EHIS )
www.rki.de/gbe (Gesundheitsberichterstattung Robert Koch-Institut)
www.gbe-bund.de (Informationssystem der Gesundheitsberichterstattung; IS-GBE)
www.healthindicators.eu (European Community Health Indicators; ECHI)
www.who.int/whr/en (World Health Organization)

Verweise: Gesundheitsindikatoren, Public Health Action Cycle / Gesundheitspolitischer Aktionszyklus


zurück zur Übersicht

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung / Maarweg 149 - 161 / 50825 Köln / Tel +49 221 8992-0 / Fax +49 221 8992-300 /
E-Mail:
poststelle(at)bzga.de / E-Mail für Bestellungen von Medien und Materialien: order(at)bzga.de

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist eine Fachbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit.