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Gesundheitsberatung

Elisabeth Krane

PDF-Volltext

(letzte Aktualisierung am 29.06.2015)

Aktuelle Version
doi:
10.17623/BZGA:224-i027-1.0


Gesundheitsberatung kann definiert werden als professionelle Beratung, die sich auf Gesundheitsthemen und Gesundheitsprobleme bezieht. Mittels wissenschaftlich fundierter und primär psychologischer und sozialer Methoden werden Veränderungsprozesse auf personaler Ebene angeregt und unterstützt mit dem Ziel,

  • Gesundheit zu fördern,
  • Krankheiten zu verhindern und
  • bei der Bewältigung einer Krankheit zu unterstützen.

Damit geht Gesundheitsberatung über reine Informationsvermittlung und konkrete Ratschläge und Verhaltensanweisungen hinaus. Sie unterstützt die Entwicklung persönlicher Kompetenzen, wie sie in der Ottawa-Charta der WHO (Gesundheitsförderung 1) als eines von fünf vorrangigen Handlungsfeldern der Gesundheitsförderung benannt wird. Menschen sollen befähigt werden, mehr Einfluss auf ihre eigene Gesundheit und ihre Lebenswelt auszuüben sowie mit Veränderungen in verschiedenen Lebensphasen, mit psychischen Belastungen, chronischen Erkrankungen und Behinderungen umzugehen. Gesundheitsberatung in diesem Sinne kann somit grundsätzlich auch einen Beitrag zur Verringerung sozial bedingter ungleicher Gesundheitschancen leisten.

Gesundheitsberatung orientiert sich an der individuellen Lebenslage und unterscheidet sich von den oft synonym verwendeten Begriffen Gesundheitliche Aufklärung und Gesundheitserziehung und Gesundheitsbildung. Von der Gesundheitsberatung auf personaler Ebene lässt sich die Gesundheitsbezogene Institutions- und Politikberatung abgrenzen. Ziel der Institutions- und Politikberatung ist es, die gesündere Wahl bzw. Entscheidung zur leichteren Wahl bzw. Entscheidung zu machen (Gesundheitsförderung 1). Dementsprechend ist sie u.a. eine wesentliche Strategie im Settingansatz/Lebensweltansatz, z.B. für die Organisationsentwicklung. In der Praxis zeigt sich die Institutionsberatung z.B. in den Maßnahmen zur Betrieblichen Gesundheitsförderung. Institutions- und Politikberatung sollte wesentliches Ziel und wesentliche Aufgabe von Gesundheitsämtern sein - insbesondere solchen, die im Gesunde-Städte-Projekt bzw. -Netzwerk mitarbeiten (Kommunalpolitische Perspektive/Leitbild Gesunde und Soziale Stadt). Sie spielt jedoch in der Programmatik der offiziellen Programme eine größere Rolle als in der Gesundheitsförderungspraxis.

Gesundheitsberatung auf personaler Ebene erfolgt zurzeit vor allem in vier Feldern:

  1. Gesundheitsberatung durch Fachleute verschiedener Professionen
  2. Gesundheitsberatung in Krankenhäusern, Gesundheitsämtern, Einrichtungen der Rehabilitation, in Betrieben und anderen Settings
  3. Verbraucherinformation und Patientenberatung
  4. Gesundheitsberatung im Internet

1. Gesundheitsberatung durch Fachleute verschiedener Professionen:

Zu den Berufsgruppen, die Gesundheitsberatung ausüben, gehören v.a. Ärztinnen/Ärzte Psychologinnen/Psychologen, Apothekerinnen/Apotheker, Pflegekräfte. Früher dominierten medizinische, biologisch orientierte Themen. Zusammen mit der Entwicklung der Gesundheitsförderung erweiterten sie sich um psychologische, soziale, pflegerische und andere Themen, z.T. in interdisziplinärer Zusammenarbeit. Auch Angehörige anderer Fachgebiete wie Pädagogik, Ökotrophologie, Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Sportwissenschaft beraten innerhalb ihres sonstigen Aufgabenbereichs in Fragen der Gesundheit.
Seit 1989 (Gesundheits-Reform-Gesetz SGB V §§ 20, 25, 26) ist im Rahmen der ärztlichen Gesundheitsförderung die Gesundheitsberatung bei Untersuchungen zur Vorsorge und Krankheitsfrüherkennung gesetzlich verankert und integraler Bestandteil der kassen-/vertragsärztlichen Versorgung. Das im Juni 2015 vom Deutschen Bundestag verabschiedete Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention (Präventionsgesetz - PrävG) sieht vor, die Gesundheits- und Früherkennungsuntersuchungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene weiterzuentwickeln. Sie sollen künftig verstärkt auf die Erfassung von gesundheitlichen Belastungen und Risikofaktoren ausgerichtet werden und auch eine ärztliche präventionsorientierte Beratung beinhalten. Ärztinnen und Ärzte können den Versicherten auf dieser Grundlage individuelle Maßnahmen zur Primärprävention empfehlen. Ziel der gesundheitsorientierten Beratung ist es, eine zielgruppengerechte Inanspruchnahme von Präventionsleistungen zu fördern. Ob dieses Ziel tatsächlich erreicht wird, darüber werden u.a. die Statistiken und Präventionsberichte der Krankenkassen zur Inanspruchnahme primärpräventiver Angebote Aufschluss geben.

2. Gesundheitsberatung in Krankenhäusern, Gesundheitsämtern, Einrichtungen der Rehabilitation, in Betrieben und anderen Settings:

Seit Langem führt der Sozialdienst im Krankenhaus Beratung für Patienten und Patientinnen durch, z.B. in Fragen der Nachbehandlung und Rehabilitation. In der stationären und ambulanten Rehabilitation ist die Gesundheitsberatung Bestandteil der rehabilitativen Maßnahmen. Außerdem bieten Angehörige verschiedener Berufsgruppen des Gesundheitswesens (z.B. Psychologinnen und Psychologen, Gesundheits- und Krankenpflegekräfte, Fachkräfte aus den Bereichen Ernährungsberatung und Physiotherapie) unter der Bezeichnung Patientenschulung oder auch Patientenedukation (Patientenberatung/Patientenedukation) gezielte Gesundheitsberatung für Patientinnen und Patienten zu bestimmten Krankheiten an. Die Beratung oder Schulung folgt einem festgelegten Konzept und kann einzeln oder in Gruppen stattfinden.  

Die Teilnahme an den Schulungen wird von vielen Krankenkassen unterstützt. Auch die Disease-Management-Programme beinhalten solche Schulungen. Gesundheitsberatung erfolgt weiterhin in Gesundheitsämtern, bei anderen Trägern wie Wohlfahrtsverbänden und Kommunen in vielen spezialisierten Ausprägungen und Einrichtungen, z.B. als Suchtberatung, HIV/Aids-Beratung oder Schulpsychologische Beratung. Sie findet sich ebenfalls bei Selbsthilfezusammenschlüssen (Selbsthilfe, Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeförderung). Hier steht der Begriff „Gesundheitsberatung“ manchmal auch für Gesundheitsbildung oder -training.

3. Verbraucherinformation und Patientenberatung

Mit dem Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes in der gesetzlichen Krankenversicherung (AMNOG) wurden Einrichtungen der unabhängigen Patientenberatung nach 10jähriger Modellphase zum 1. Januar 2011 zum Regelangebot der gesetzlichen Krankenversicherung Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen fördert seitdem nach § 65b SGB V Einrichtungen, die Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Patientinnen und Patienten in gesundheitlichen und gesundheitsrechtlichen Fragen qualitätsgesichert und kostenfrei informieren und beraten. Dadurch sollen Patientinnen und Patienten in gesundheitlichen Fragen besser und neutral informiert werden können. Sie sollen mehr Rechte erhalten und in ihrer Rechtsstellung gegenüber den Leistungserbringern gestärkt werden. Die hierfür ab 2011 jährlich zur Verfügung stehenden Fördermittel i.H. v. 5,2 Mio. Euro werden jährlich entsprechend der Bezugsgröße in der Sozialversicherung angepasst und beinhalten auch die für Qualitätssicherung und die Berichterstattung notwendigen Aufwendungen.

4. Gesundheitsberatung im Internet:

Eine zunehmend größere Rolle wird in Zukunft die Gesundheitsberatung im Internet erhalten. Durch die Kombination unterschiedlicher Dienste und Kommunikationswege ermöglicht es eine Integration von Individual- (z.B. über E-Mails), Gruppen- (z.B. über Chats oder Diskussionsforen) und Massenkommunikation, die so von anderen Medien nicht leistbar ist. Aufgrund seiner zeitlichen und räumlichen Niederschwelligkeit kann es beispielsweise auch von Menschen genutzt werden, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Oder es erlaubt den Bewohnerinnen und Bewohnern dünn besiedelter Regionen mit schlechter Infrastruktur den Zugang zu internetgestützten Beratungsleistungen. Darüber hinaus ermöglicht das Internet die interaktive Beteiligung der Nutzerinnen und Nutzer. Die virtuelle Gesundheitsberatung stellt grundsätzlich eine sinnvolle Ergänzung zur konventionellen Beratung dar. Dass sie die persönliche "Face-to-Face"-Beratung in Zukunft vollständig ersetzen wird, kann jedoch bezweifelt werden.

Neben den Chancen lassen sich auch Risiken der Gesundheitsberatung im Internet konstatieren. Mittlerweile hat sich ein kaum übersehbares Angebot an Gesundheitsberatung im Internet entwickelt. Diese virtuelle Gesundheitsberatung bewegt sich zurzeit in einer rechtlichen Grauzone, ist in Seriosität und Qualität oft ungeprüft und mit Produktwerbung verbunden. Erforderlich ist eine Vereinbarung über nachvollziehbare und transparente Qualitätsmerkmale, die auch Datenschutzaspekte berücksichtigen.

Gesundheitsberatung stellt insgesamt ein recht heterogenes Praxisfeld dar. Es ist gekennzeichnet von einem sehr breiten Anbieter- und Angebotsspektrum mit sehr unterschiedlichen Inhalten und Methoden, die von unterschiedlicher, teilweise fragwürdiger Qualität sind. In dem Bemühen um Professionalisierung in der Gesundheitsförderung gibt es inzwischen Qualifizierungsangebote verschiedener Träger. Fachhochschulen, Gesundheitsverbände und private Institute mit unterschiedlichen Konzepten und Interessen nennen als Weiter- bzw. Fortbildungsziel Gesundheitsberatung. Die zunehmende Bedeutung der Gesundheitsförderung und die wachsende Zahl der in der Gesundheitsförderung Tätigen sollte zu einer einheitlichen Tätigkeitsbeschreibung und Berufsbezeichnung mit qualitätsgesicherten Aus-/Weiter-/Fortbildungsangeboten führen. Ob „Gesundheitsberatung“ und „Gesundheitsberaterin“ bzw. „Gesundheitsberater“ die treffende Bezeichnung ist, muss in Anbetracht der verschiedenen Ansätze und Ziele geklärt werden.

Literatur: Behnke K/Demmler G/Unterhuber H, Gesundheitsberatung als Antwort auf veränderte Gesundheitsbedürfnisse, in: Brinkman-Göbel R (Hg), Handbuch für Gesundheitsberater, Bern 2001, 50-62;
Faltermaier T, Gesundheitsberatung, in: Nestmann F/Engel F/Sickendiek U, Das Handbuch der Beratung, Band 2: Ansätze, Methoden und Felder, Tübingen 2004, 1063-1081;
Matzick, S, (Hg.), Zukunftsaufgabe Gesundheitsberatung. Strategien für Gesundheitsberufe. Perspektiven für Patienten und Verbraucher, Lage, 2007
Schmidt-Kaehler S, Gesundheitsberatung im Internet. Dissertation, Universität Bielefeld, Bielefeld 2005. Download unter
http://bieson.ub.uni-bielefeld.de/volltexte/2005/715/pdf/gesundheitsberatunginternet.pdf

Internetadressen:
www.gesundheitsinformation.de
www.patientenberatung.de
www.wegweiser.bzga.de

Verweise: Aus- und Weiterbildung in Gesundheitsförderung und Prävention, Gesundheitliche Aufklärung und Gesundheitserziehung, Gesundheitsbildung, Gesundheitsförderung 1: Grundlagen, Gesundheitsförderung und Betrieb, Gesundheitsförderung und Gesunde / Soziale Stadt / Kommunalpolitische Perspektive, Organisationsentwicklung als Methode der Gesundheitsförderung, Patientenberatung / Patientenedukation, Selbsthilfe, Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeförderung, Settingansatz / Lebensweltansatz

Die Autorin dankt Peter Sabo für seine Vorarbeiten in den bisherigen Ausgaben der Leitbegriffe.


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