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Aus- und Weiterbildung in Gesundheitsförderung und Prävention

Beate Blättner, Thomas Hartmann, Kerstin Baumgarten

PDF-Volltext

(letzte Aktualisierung am 14.01.2015)

Aktuelle Version
doi:
10.17623/BZGA:224-i005-1.0


Die Möglichkeiten der Qualifizierung in den Bereichen der Gesundheitsförderung und Prävention in Deutschland haben sich in den letzten fünfzehn Jahren ausgeweitet, vor allem die Ausbildung an Hochschulen. Gesundheitsförderung und Prävention bedienen sich zunehmend wissenschaftlicher Methoden der Bedarfsermittlung, z.B. anhand sozialepidemiologischer Studien und der Gesundheitsberichterstattung sowie der Überprüfung der Wirksamkeit von Interventionen nach strengen methodischen Kriterien (Evidenzbasierte Gesundheitsförderung). Aus diesem Grund liegt eine Akademisierung nahe. Das gilt umso mehr, wenn es nicht um individuelle Verhaltensveränderung, sondern um Organisationsentwicklung in Lebenswelten (Settings) geht.

Formal ist jede Form der Qualifizierung unter bildungsrechtlichen und unter berufsrechtlichen Gesichtspunkten zu betrachten. Mit Ausbildung ist ein berufsqualifizierender Abschluss gemeint, der berufsrechtlich (z.B. anerkannter Ausbildungsberuf nach Berufsbildungsgesetz) oder bildungsrechtlich (z.B. Bachelor-Grad) anerkannt ist. Weiterbildungen bauen auf einen ersten Ausbildungsabschluss auf und führen zu einer zusätzlichen Abschlussbezeichnung, z.B. einem Master-Grad oder einer zumindest landesrechtlichen oder berufsrechtlichen Anerkennung (z.B. Zahnmedizinische Prophylaxeassistentin) durch den Staat oder eine Kammer. Zertifikatskurse, für die diese Kriterien nicht gelten, sind ungeregelte Fortbildungen, unabhängig davon, an welcher Institution sie angeboten werden.

Eine Tätigkeit in der Prävention und Gesundheitsförderung gehört nicht zu den geregelten Berufen des Gesundheitswesens; entsprechende Ausbildungsberufe sind in Deutschland nicht etabliert. Bezeichnungen wie Gesundheitsberater, Präventologin oder Gesundheitspädagoge sind allenfalls markenrechtlich, aber nicht berufsrechtlich geschützt.. Somit sind Studienabschlüsse die einzige Möglichkeit einer staatlichen Anerkennung einer Aus- oder Weiterbildung in Gesundheitsförderung oder Prävention.

Die derzeit geltenden Handlungsempfehlungen der gesetzlichen Krankenkassen (2010) unterscheiden individuelle Maßnahmen, Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung und Maßnahmen in Lebenswelten (Settingsansatz). Für individuelle Präventionsmaßnahmen gelten folgende Anforderungen an die Qualifikation des Anbieters: Er muss als Grundqualifikation einen staatlich anerkannten Berufs- oder Studienabschluss im jeweiligen Handlungsfeld vorweisen können, als Zusatzqualifikation eine spezifische, in der Fachwelt anerkannte Fortbildung und ggf. ergänzend eine Unterrichtung in dem durchzuführenden Programm. Zusätzlich gefordert werden pädagogische Kompetenzen und - bei Maßnahmen, die sich an sozial Benachteiligte richten - sozialpädagogische Kompetenzen. Für die Durchführung eines Angebots im Präventionsprinzip „Reduzierung von Bewegungsmangel durch gesundheitssportliche Aktivität“ bedeutet dies beispielsweise, dass so unterschiedliche Grundqualifikationen wie eine Ausbildung als Physiotherapeutin, ein sportwissenschaftliches oder medizinisches Studium oder eine Anerkennung als lizenzierter Übungsleiter bzw. als Gymnastiklehrerin in Betracht kommen können.

In der Frage nach der notwendigen Qualifikation muss zwischen der fachlichen Eignung und dem notwendigen Kompetenzniveau unterschieden werden. Fachlich verfügen sowohl ein nicht akademisch ausgebildeter Diätassistent als auch eine Ernährungswissenschaftlerin über eine geeignete Qualifikation für eine Gruppenberatung zu Ernährungsfragen, vorausgesetzt, sie haben sich entsprechende pädagogische Kompetenzen aneignen können. Im Kompetenzniveau unterscheiden sich beide zumindest formal, d.h. nach der Art des Abschlussgrades. Während beide grundsätzlich geeignet sein können, standardisierte Kurskonzepte mit vorgefertigten Materialen und Handreichungen durchzuführen, sind für die Entwicklung und Evaluierung solcher Konzepte zwar ähnliche fachliche Qualifikationen gefordert, allerdings unterschiedliche Kompetenzniveaus.

Die Diskussion über Kompetenzniveaus steht im Zusammenhang mit der Strategie des Europäischen Rates, ein horizontal, vertikal und transnational durchlässiges Aus- und Weiterbildungssystem zu schaffen, das lebenslanges formelles und informelles Lernen als Basis für eine europäische Wissensgesellschaft ermöglicht. Voraussetzung dafür ist die Transparenz und wechselseitige Anrechnung von Qualifikationen. Um dies zu erleichtern, wurde von der Kommission der Europäischen Gemeinschaft ein Europäischer Qualifikationsrahmen (EQR) vorgelegt, der anhand von Deskriptoren Kenntnisse, Fertigkeiten und den Grad der Verantwortungsübernahme in acht verschiedenen Niveaustufen unterscheidet. Niveau 6 entspricht dem Abschluss eines Bachelor-Studiums, Niveau 7 einem Master-Abschluss.

Mit Mit Deskriptoren lässt sich unterscheiden, auf welcher Ebene Entscheidungen getroffen werden und wie wissenschaftlich fundiert die dafür notwendigen Kenntnisse sein müssen. Beispielsweise könnte der Grad der Verantwortungsübernahme auf Niveau 5 die Durchführung eines standardisierten Kurskonzepts in der Prävention sein. Der Entscheidungsspielraum bezieht sich auf die Umsetzung des vorgegebenen Konzepts mit der jeweiligen Kursgruppe. Niveau 6 umfasst dann die Leitung eines Projekts der Gesundheitsförderung; Niveau 7 die Entwicklung neuer Interventionsstrategien und die Weiterentwicklung der theoretischen und empirischen Basis der Gesundheitsförderung. Mit jeder Stufe erweitern sich der Entscheidungsspielraum, die Komplexität der zu berücksichtigenden Fakten und die Unvollständigkeit der vorliegenden Informationen, nach denen entschieden werden kann. Wissenschaft wird auf Niveau 7 nicht mehr rezipiert, sondern generiert.

Zur Umsetzung des EQR haben derzeit 36 europäische Staaten die Entwicklung nationaler Qualifikationsrahmen (NQR) beschlossen, so auch Deutschland. Im Arbeitskreis DQR wurden formale Qualifikationen den Niveaus des EQR zugeordnet. Berufe der Prävention und Gesundheitsförderung ohne Studienabschlüsse finden sich dort nicht wieder, weil es keine formalen Ausbildungen sind. Gesundheitsberufe wie Medizinischer Fachangestellter oder Gesundheits- und Krankenpflegerin sind durchgängig als Assistenzberufe dem Niveau 4 zugeordnet worden. Niveau 4 beschreibt Kompetenzen, die zur selbständigen Planung und Bearbeitung fachlicher Aufgabenstellungen in einem umfassenden, sich verändernden Lernbereich oder beruflichen Tätigkeitsfeld benötigt werden. Niveau 6, der Bachelor-Abschluss, beschreibt demgegenüber Kompetenzen zur Planung, Bearbeitung und Auswertung von umfassenden fachlichen Aufgaben und Problemstellungen sowie zur eigenverantwortlichen Steuerung von Prozessen. Die Anforderungsstruktur ist durch Komplexität und häufige Veränderungen gekennzeichnet, wie sie beispielsweise für Interventionen in Settings typisch sind. Eine dritte Unterscheidungsebene geht auf Griffiths und Dark zurück. Sie entwickelten auf der Basis von Literaturrecherchen und Experteninterviews für den National Health Service in England und Wales einen Kompetenzrahmen für Gesundheitsförderung. Unterschieden wird dort einerseits zwischen Spezialisten für Gesundheitsförderung im engeren Sinn und im weiteren Sinn für Gesundheitsförderung relevante Berufsgruppen, anderseits zwischen eher individuumsbezogenen oder eher bevölkerungsbezogenen Tätigkeiten. So übt jemand, der Kurse in der Gesundheitsförderung durchführt, eine individuumsbezogene, auf Prävention spezialisierte Tätigkeit aus, während ein Gesundheits- und Krankenpfleger genauso individuumsbezogen arbeitet und auch Aufgaben in der Prävention übernimmt, aber nicht auf Prävention spezialisiert ist. Das Verfassen von Gesundheitsberichten und die Ableitung von Präventionszielen sind Beispiele für die bevölkerungsbezogene Tätigkeit von Gesundheitsförderungsspezialisten, während Kommunalpolitik bevölkerungsbezogene Gesundheitsförderung im weiteren Sinn sein kann. Für diese Tätigkeiten sind jeweils andere Qualifikationen sinnvoll.

Ernährungswissenschaftler/-wissenschaftlerinnen und Sportwissenschaftler/-wissenschaftlerinnen sowie andere Berufsgruppen, die im weiteren Sinn für die Gesundheitsförderung von besonderer Bedeutung sind, verfügen über akademische oder nichtakademische Berufsausbildungen, die seit Langem etabliert sind. Ausbildungen in Gesundheitsfachberufen, wie Physiotherapie oder Ernährungstherapie, sind in der Regel international keine Berufsausbildungen, sondern Studienfächer. Perspektivisch erscheint deshalb auch in Deutschland die Einordnung solcher Ausbildungen in die akademische Laufbahn alternativlos. Sie wird bis 2017 in Modellstudiengängen erprobt.

Bis Mitte der 1990er-Jahre waren bildungsrechtlich anerkannte Ausbildungen in Gesundheitsförderung und Prävention in Deutschland nicht etabliert. Fortbildungen fanden zumeist im Rahmen nicht geregelter öffentlicher oder privatwirtschaftlicher Erwachsenenbildung statt. Eine erste Veränderung erfolgte mit der Entwicklung von Public-Health-Studiengängen. Nach gut zweijähriger Vorarbeit legte die Bundesregierung im Jahr 1989 eine Förderinitiative auf, die das Ziel hatte, an deutschen Hochschulen international konkurrenzfähige Strukturen der Forschung und Lehre für Public Health aufzubauen. Zwischen 1989 und 1995 entstanden aus den fünf geförderten Forschungsverbänden neun postgraduale (nach dem ersten Hochschulabschluss), universitäre, gesundheitswissenschaftliche Studiengänge mit der Abschlussbezeichnung MPH („Master of Public Health“) oder M.S.P („Magister Sanitas Publicae“), die nach vergleichbaren Standards qualifizierten. Etwa zur gleichen Zeit entstanden an Fachhochschulen erste Diplom-Studiengänge in Gesundheitsförderung und -management, die sich oft an die Ausbildung in der Sozialen Arbeit anlehnten.

Nach dem Jahr 2000 begann eine neue Phase durch den sogenannten Bologna-Prozess - der Entwicklung eines europäischen Hochschulraums mit vergleichbaren Abschlussgraden. Das Studium in Gesundheitsförderung oder Public Health fügt sich seitdem in ein dreistufiges Studiensystem ein: Bachelor als erster akademischer Abschluss, darauf aufbauend ein Masterstudium und als Nachweis der wissenschaftlichen Eignung die Promotion. In den ersten beiden Abschlussgraden unterscheiden sich Fachhochschulabschlüsse und Universitätsabschlüsse nicht voneinander, inzwischen ist auch ein eigenes Promotionsrecht für Fachhochschulen in Diskussion. Zugleich wurde eine externe Akkreditierung von Studiengängen (eine formale Überprüfung von Qualitätsstandards) eingeführt, die generelle Kriterien (z.B. Studierbarkeit, Übereinstimmung mit formalen Kriterien und Ressourcen) überprüft. Als Abschlussgrad wird der Bachelor of Science (B.Sc.) oder der Bachelor of Arts (B.A.) vergeben. Beide Grade sind gleichwertig. Sie zeigen nur, ob sich der Studiengang als stärker medizinisch (B.Sc.) oder als stärker sozialwissenschaftlich (B.A.) ausgerichtet sieht. In den Masterstudiengängen kann neben den Abschlussgraden Master of Science (M.Sc.) und Master of Arts (M.A.) auch der Master of Public Health (MPH) vergeben werden, wenn es sich um einen nichtkonsekutiven (d.h. nicht auf ein fachlich eng verwandtes Studium aufbauenden) Master handelt. Auch hier ist die Art des Abschlussgrads kein Qualitätsmerkmal.

Aktuell gibt es 13 akkreditierte Bachelor-Studiengänge und 25Master-Studiengänge, die direkt für Gesundheitsförderung oder Public Health ausbilden. Hinzu kommen weitere Studiengänge, die Gesundheitsförderung z.B. mit einem speziellen Handlungsfeld wie Sport, Ernährung oder psychische Gesundheit verbinden. Aus dem Titel des Studiengangs ist nicht immer ersichtlich, ob er eher für eine Tätigkeit auf der individuellen Ebene (Gesundheitsbildung, Gesundheitserziehung, Health Literacy) oder der bevölkerungsbezogenen Ebene - und der Arbeit entsprechend dem Settingansatz - oder einer Mischung aus beidem qualifiziert. Manchmal bieten Hochschulen auch wissenschaftliche Weiterbildungen (formal gesehen: Fortbildungen) in Gesundheitsförderung an, die auch Personen ohne Hochschulzugang offenstehen können und mit einem Zertifikat abgeschlossen werden. Auch rein privatwirtschaftlich organisierte Träger oder Träger öffentlich geförderter Erwachsenbildung bieten weiterhin Fortbildungen an, die teilweise mit Abschlusszertifikaten enden, die weder bildungsrechtlich noch berufsrechtlich anerkannt sind.

Zur Verbesserung der Transparenz gegenüber Studieninteressierten, v.a. aber gegenüber potenziellen Arbeitgebern, wurde von einer Expertengruppe deutscher Hochschulen ein nationaler Fachqualifikationsrahmen (FQR) entwickelt, der auf der vertikalen Ebene die Dublin-Deskriptoren und auf der horizontalen Ebene den Public Health Action Cycle zur Beschreibung der erforderlichen Kompetenzen benutzt. Abbildung 1 zeigt die Beschreibungen für das Niveau 6, entsprechend eines ersten Hochschulabschlusses.. Solche Vorschläge bleiben für Hochschulen unverbindlich, die genannten Kompetenzen sind aber weitgehend akzeptiert.

Ein anderer Weg wird mit von der „International Union for Health Promotion and Education“ (IUHPE) entwickelten und der von der BZgA in Deutsch veröffentlichten Formulierung von Kernkompetenzen für Gesundheitsförderung (ComHP) beschritten. Hier ist ein Zertifizierungs- und Registrierungssystem für Fachkräfte und Ausbildungsgänge vorgesehen. Angesichts der immensen Summen, die bereits jetzt für die Akkreditierung von Studiengängen aus öffentlichen Mitteln aufgebracht werden müssen und den zu erwartenden Kosten für die Registrierung ist eine solche Entwicklung allerdings auch kritisch zu sehen - zumal in einem Land, in dem noch nicht einmal Gesundheitsfachberufe registriert sind. Prävention und Gesundheitsförderung sollten nicht strengeren Regularien unterworfen werden als die Medizin und Pflege. Immerhin ist ein Studiengang ein staatlicher Abschluss.

Public Health Action Cycle/Dublin-Deskriptoren

Problem­bestimmung
Erheben des Bedarfs von Maßnahmen

Politik­formulierung
Entwickeln von Strategien und Maßnahmen

Umsetzung
Sicherstellen von Rahmen­bedingungen, Umsetzen

Bewertung
Bewertung von Maßnahmen, Projekten, Ansätzen, Studien

Knowledge and understanding
Wissen und Verstehen, das zumindest in einigen Aspekten an neueste Erkenntnisse anknüpft

Kennt die unterschiedlichen Determinanten von Gesundheit und Methoden im Zusammenhang, mit denen Bedarfe an und Bedürfnisse nach Maßnahmen der Gesundheits­förderung ermittelt werden

Kennt die Strategien und Handlungs­felder der Gesundheits­förderung der WHO sowie nationale Entwicklungen und kennt deren zugrunde liegenden wissenschaftlichen Theorien

Kennt relevante Rahmen­bedingungen der Gesundheits­förderung; kennt die Strukturen des Sozial- und Gesundheits­wesens und die Bedingungen nationaler Sozial- und Gesundheits­politik

Kennt Möglichkeiten und Methoden der Qualitätssicherung von Maßnahmen der Gesundheits­förderung

Applying knowledge and understanding
Wissen und Verstehen anwenden; Formulieren und Untermauern von Argumenten und Lösen von Problemen

Kann fundiert begründen, welche Zielgruppen, Settings und Arbeitsfelder der Gesundheits­förderung relevant sind. Kann Datenquellen nutzen und Methoden der empirischen Sozial­forschung einsetzen, um Bedarfe und Bedürfnisse zu identifizieren bzw. zu erheben

Kann mit Bezug auf Zielgruppen, Settings und Themenfelder geeignete (evidenzbasierte) Konzepte, Strategien und Maßnahmen der Verhaltens- und Verhältnis­änderung entwickeln und deren Einsatz begründen

Kann entscheiden, welche Bedingungen welche Art von Intervention erfordern und kann mit den Mitteln des Projekt­managements Interventionen unter Berücksichtigung partizipativer Ansätze umsetzen und steuern

Kann empirische Evidenz von Maßnahmen recherchieren und beurteilen sowie den Erfolg von selbst durchgeführten Interventionen auch unter Anwendung der Methoden der qualitativen und quantitativen Sozial­forschung mit geeigneten Methoden und Instrumenten der Qualitäts­sicherung bewerten

Making judgements
Relevante Daten sammeln und interpretieren, um Einschätzungen zu stützen, die relevante soziale, wissenschaftliche und ethische Belange berücksichtigen

Kann aus vorhandenen und aus selbst erhobenen Daten Schluss­folgerungen in Bezug auf individuelle und bevölkerungs­bezogene Gesundheits­ressourcen, -risiken und -belastungen ziehen, um einen Bedarf an Maßnahmen nach wissenschaftlichen, sozialen und ethischen Gesicht­spunkten zu begründen; kann dabei insbesondere Einflüsse von sozialer Ungleichheit, Alter und Geschlecht berücksichtigen

Kann Strategien, Ansätze, Methoden und Maßnahmen auf der Basis von Daten und Theorien entwickeln und an die alltäglichen und projektbezogenen Rahmen­bedingungen anpassen; kann die dabei entstehenden Probleme reflektieren

Kann Entscheidungen für Interventionen bei spezifischen Zielgruppen treffen und reflektieren, welche Auswirkungen die Veränderungen auf andere gesundheitliche und soziale Bereiche haben könnten; kann Prioritäten unter sozialen und ethischen Gesichts­punkten setzen

Kann den Erfolg von Interventionen empirisch gestützt beurteilen und unter Berücksichtigung ethischer, wissenschaftlicher und sozialer Belange bewerten

Communication
Ideen, Probleme und Lösungen an Experten/ Expertinnen und Laien vermitteln

Kann die Ergebnisse Laien, Betroffenen, Expertinnen und Experten, Entscheidern und der Öffentlichkeit gegenüber angemessen kommunizieren bzw. vermitteln

Kann gegenüber Ausgangs­lagen und Vorgehens­weisen Laien, Betroffenen, Expertinnen und Experten, Entscheidern und der Öffentlichkeit kommunizieren; kann eigene Sichtweisen im Team transparent machen und Sichtweisen anderer wahrnehmen und integrieren

Kann Maßnahmen kooperativ in einem professionellen Team durchführen und sie in Abstimmung und partizipativ mit den Zielgruppen umsetzen; kann gegenüber Entscheidungs­trägern und -trägerinnen kommunizieren, welche Entscheidungen mit welchen Konsequenzen verbunden sind; kann Fach­austausch und Vernetzung organisieren und durchführen

Kann die kritische, reflektierte Bewertung von Strategien, Ansätzen und Methoden gesundheits­fördernder Projekte unterschiedlicher Adressaten­gruppen adäquat schriftlich und mündlich kommunizieren

Learning skills
Lernstrategien, um ihre Studien selbstständig fortzusetzen

Verfügt über Strategien, um Informations­lücken mit den Grundtechniken des wissenschaftlichen Arbeitens systematisch zu schließen

Verfügt über Strategien, um aus den Erfahrungen für weitere Maßnahmen lernen zu können; kann sich dabei neue Ansätze mit Grundtechniken des wissenschaftlichen Arbeitens allein und im Team erschließen

Kann eigene Vorgehensweisen und deren Ergebnisse reflektieren, weiterentwickeln und zum eigenen und wissenschaftlichen Erkenntnisstand in Beziehung setzen

Kann recherchierte und eigene Evaluations­ergebnisse nutzen, um Methoden und Handlungs­strategien zu optimieren

Abb. 1: Bachelor Gesundheitsförderung: Studienprofil bevölkerungsbezogen oder Mischform

Literatur: Blättner B, Kompetenzprofil für Gesundheitsförderung, in: Rásky E (Hg): Gesundheitsprofi(l) für die Pflege, Wien 2008, 123-140;
Blättner B/Heckenhahn M, Professionalisierung in der Gesundheitserziehung, Bern 2009, 254-264;
Europäische Kommission, Der Europäische Qualifikationsrahmen für Lebenslanges Lernen (EQR) 2008. Download unter
https://ec.europa.eu/ploteus/sites/eac-eqf/files/brochexp_de.pdf.
GKV Spitzenverband, Leitfaden Prävention, Handlungsfelder und Kriterien des GKV-Spitzenverbandes zur Umsetzung von §§ 20 und 20a SGB V vom 21. Juni 2000 in der Fassung vom 27. August 2010, Berlin 2010;
Griffiths J/Dark P, Shaping the future of public health: promotion health in the NHS. Project report. The role of specialized health promotion staff in improving health, London und Cardiff 2005.
BZGA (Hrsg.) Das CompHP-Rahmenkonzept für die Gesundheitsförderung. Kernkompetenzen - Professionelle Standards - Akkreditierung, Deutsche Kurzfassung, Köln 2014,
www.bzga.de/infomaterialien/fachpublikationen/konzepte/band-5/

Internetadressen:
www.deutsche-gesellschaft-public-health.de (Homepage des Dachverbands Deutsche Gesellschaft für Public Health)
www.hs-kompass2.de/kompass/xml/akkr/maske.html (Datenbank akkreditierter Studiengänge)
www.iuhpe.org/index.php/en/the-accreditation-system (Homepage der International Union for Health Promotion and Education, Erläuterung des Akkreditierungssystems)
www.dqr.de/ (Homepage des BMBF zum Deutschen Qualifikationsrahmen)

Verweise: Evidenzbasierte Gesundheitsförderung, Gesundheitliche Aufklärung und Gesundheitserziehung, Gesundheitsbildung, Health Literacy / Gesundheitskompetenz, Public Health Action Cycle / Gesundheitspolitischer Aktionszyklus, Settingansatz / Lebensweltansatz


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